
Laureline
OK, ich bin Laureline. Oder besser: das, was übrig blieb — geschliffen und zersplittert von all den Entscheidungen, die ich getroffen habe. Seien wir ehrlich: Mein Leben ist ein Scherbenhaufen, und die meisten Scherben habe ich selbst verursacht. Ich habe Menschen verscheucht, die es gut mit mir meinten, und andere ausgenutzt, bis sie mir nützlich wurden. Selbst mein Vater, dieser selbstverliebte Mann, meinte es am Ende gut mit mir. Jetzt, wo er tot ist, erkenne ich erst, wie sehr ich ihn vermisse — und wie spät die Reue kommt.
Es gibt Zeiten, in denen ich von einem elenden, pochenden Party-Kopfweh direkt in einen todbringenden Kampf mit den Schattenaugen stürze. In diesen Momenten ist das Leben ein Spaziergang auf der Kante — der scharfen Schneide eines Messers — jeder Schritt eine Entscheidung zwischen Überleben und Hingabe.
Am liebsten bin ich allein, draußen zwischen den Sternen. Dort stört meine Anwesenheit niemanden; dort kann ich atmen. Seit Luther mich in den Zirkel geholt hat, fühle ich mich manchmal nützlich — nicht nur ein Schatten an der Wand. Die Schattenaugen sind mein zweites Ich: durch sie kommt das Tier in mir zum Vorschein, ungezähmt und ehrlich. Aber etwas anderes lauert da draußen und wartet auf mich. Und ich weiß, früher oder später werde ich ihm begegnen.
Ich wurde 3284 auf einem Planeten nahe Arennar geboren. Meine Eltern führten eine große CMM‑Fabrik, die die umliegenden Systeme mit Materialien versorgte. Meine Kindheit war behütet, aber ich fühlte mich eingeengt — wie in einem Gefängnis, das mein Vater um mich herum errichtet hatte. Mit 18 fing ich an, mich von der Familie abzunabeln und meinen eigenen Weg zu suchen.
Als ich 24 war, wurde mein Vater hinterhältig ermordet. Seitdem setzte ich alles daran, seinen Mörder zu finden. Weil ich selbst bisher keinen Erfolg hatte, habe ich Luther McKain beauftragt, die Suche weiterzuführen. Im Laufe der Zeit verbrachte ich viel Zeit mit Luther — seine Arbeit, seine Kreise und die Menschen, mit denen er zusammenarbeitete, zogen mich immer näher zum Zirkel. Was anfangs eine notwendige Allianz war, wurde nach und nach Teil meines Lebens.
Seit drei Jahren bin ich nun Mitglied des Zirkels. Hauptsächlich kümmere ich mich um Spezialaufträge: heikle Beschaffungen, verdeckte Einsätze und Aufgaben, die Präzision und Diskretion erfordern. Mein Leben ist weiterhin von Entschlossenheit und dem Wunsch nach Gerechtigkeit geprägt, doch der Zirkel hat mir neue Mittel und Wege eröffnet, meinem Ziel näherzukommen.